Glossar des THZN

 

 

Traumafachbegriffe

 

 

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Übertragung und Gegenübertragung
Der Begriff der Übertragung stammt aus der Psychoanalyse. Er bezeichnet den Vorgang, dass ein Mensch alte Gefühle, Affekte, Erwartungen (insbesondere Rollenerwartungen), Wünsche und Befürchtungen aus der Kindheit unbewusst auf neue soziale Beziehungen überträgt und reaktiviert. Ursprünglich können diese Gefühle auf die Eltern, Geschwister oder andere nahe Beziehungspersonen bezogen gewesen sein, bleiben aber auch nach der Ablösung aus dem Elternhaus in der Psyche präsent und wirken dort weiter.

Dieser Vorgang ist zunächst weitestgehend normal, Teil des sozialen Lernens und weit verbreitet, kann aber, wenn die übertragenen Gefühle sich gegenüber tatsächlichen gegenwärtigen Beziehungen als nicht angemessen erweisen, zu erheblichen Problemen und Spannungen führen.
Im Rahmen von Psychotherapien kommt es regelmäßig zu Übertragungen. Hier richtet der Klient bestimmte Gefühle, Erwartungen oder Wünsche auf seinen Therapeuten, die nicht so sehr dem Therapeuten als Person gelten, sondern aus früheren Beziehungserfahrungen des Klienten herrühren. Umgekehrt kann auch der Therapeut Gefühle auf seinen Klienten übertragen. Dieser Vorgang wird Gegenübertragung genannt
Übertragungs- und Gegenübertragungsgeschehen in der Traumatherapie folgen häufig einer Täter-Opfer-Retter-Zuschauer-Dynamik.

 

Häufige Übertragungsmuster bei traumatisierten Menschen:
- Macht- und Ohnmacht
- Täterübertragungen
- Übertragung von Aspekten der vernachlässigenden Bezugsperson
- Suche nach perfekten Eltern

 

Häufige Gegenübertragungsreaktionen in der Arbeit mit traumatisierten Menschen:
- Überwältigt-Sein von Gefühlen wie Wut, Ohnmacht, Schuld und Scham, Abscheu
- übersteigerte Fürsorgeimpulse
- Blockiert-Sein in der eigenen Mentalisierungsfähigkeit
- Verwirrung und Orientierungslosigkeit
- Schuldgefühle bei Grenzsetzungen

 

 

 

Vegetatives Nervensystem

Auch autonomes Nervensystem bzw. viszerales Nervensystem genannt, steuert u.a. die meisten inneren Organe. Wesentliche Teile des vegetativen Nervensystems sind Sympathikus und Parasympathikus.

 

Der Sympathikus (Stresssystem) bewirkt insgesamt eine Energiebereitstellung und damit eine Leistungssteigerung des Organismus:

  • Bereitschaft zu Flucht, Kampf, Anstrengung
  • Hochfahren von Atmung, Herzfrequenz, Blutdruck, Stoffwechsel, Glykose
  • erweiterte Pupillen, bleiche Haut, kalte und schweißige Extremitäten, Zittern, erhöhter Puls, erhöhte Muskelkraft

 

Der Parasympathikus dient dem Stoffwechsel, der Erholung und dem Aufbau körpereigener Reserven:

  • Herunterfahren von Atmung, Herzfrequenz, Blutdruck
  • Verengte Pupillen, rötliche, trockene Haut
  • Gesteigerte Verdauung

 

Der Parasympathikus ist aber auch für das soziale Bindungssystem verantwortlich. Er steuert mit dem Vagusnerv Kopfhaltung und Gesichtsmuskeln, mit denen die fünf Grundgefühle kulturübergreifend ausgedrückt werden:
Angst – Wut – Freude – Trauer – Ekel + Scham

 

 

 

Verfahren in der Psychotherapie (Psychotherapieverfahren)

Im bundesdeutschen kassenärztlichen Gesundheitssystem gibt es drei verschiedene Therapieverfahren, die von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden:

  • die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie,
  • die Psychoanalyse und
  • die Verhaltenstherapie

Alle weiteren Therapieverfahren werden i. d. R. nicht von den Krankenkassen übernommen.

 

  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Der Wortteil „Tiefe“ in Tiefenpsychologie (TP) verweist sowohl auf die verborgene Tiefe des Unbewussten (unbewusste oder unverstandene Wünsche, Motive und Konflikte) als auch auf die „Tiefe der Zeit“, also die fortdauernden Einflüsse aus Kindheit und Jugend. Im Rahmen der TP geht man davon aus, dass in der Tiefe liegende, unbewusste psychische Vorgänge eine Wirkung auf die psychische Gesundheit des Menschen haben. Unbewusste Konflikte oder verdrängte Erfahrungen sind aus dieser Sichtweise heraus ein sinnvoller Ansatzpunkt, um psychische Störungen zu behandeln. Im Unterschied zur Verhaltenstherapie liegt der Schwerpunkt damit deutlich weniger auf der unmittelbaren Beeinflussung des Verhaltens des Patienten, sondern auf einer Klärung der zugrundeliegenden Ursachen, wodurch indirekt bzw. in der Folge eine Verringerung der Beschwerden eintreten soll.

 

  • Psychoanalyse

Diese ist ebenfalls tiefenpsychologisch fundiert und erfolgt klassischerweise über einen sehr viel längeren Zeitraum mit zwei bis drei Sitzungen pro Woche. Klassischerweise liegt der Patient/die Patientin auf einer Couch ohne Blickkontakt zum Therapeuten.

 

 

  • Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapeutische Verfahren basieren ursprünglich auf der Lerntheorie. Die Grundidee ist, dass störungsbedingtes Verhalten erlernt wurde und auch wieder verlernt werden kann, bzw. dass angemessenere Denk- und Verhaltensweisen erlernt werden können. Inzwischen wurde die Verhaltenstherapie in vielerlei Weise weiterentwickelt und in verschiedene Methoden ausdifferenziert.

In der Öffentlichkeit besonders bekannte therapeutische Techniken der Verhaltenstherapie sind Konfrontationen mit auslösenden Reizen (z. B. Exposition, systematische Desensibilisierung) sowie die Verstärkung erwünschten und die Reduktion unerwünschten Verhaltens.

 

 

 

Verdrängung

Verdrängung bezeichnet einen psychologischen Abwehrmechanismus, durch den tabuisierte oder bedrohliche Sachverhalte oder Vorstellungen auf einer unbewussten Ebene von der bewussten Wahrnehmung ausgeschlossen werden.

Ihr liegt S. Freuds Vorstellung von drei Bereichen der Psyche zugrunde: Bewusst – Vorbewusst – Unbewusst. Die Verdrängung ist ein Prozess an der Grenze zwischen dem unbewussten und dem vorbewussten System.

 

 

 

Vulnerabilität

Verletzlichkeit, Verwundbarkeit (<-> Resilienz)

 

 

 

Window of Tolerance

-> Ressourcenbereich, Toleranzfenster und Spannungskurve

 

 

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